Peter Lammer – „Mein Kampf um das Leben als Koch und welche Rolle ReIntra dabei spielte.“

ReIntra

Herr Lammer, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen. Ihr Motorradunfall im Jahr 2010 war ein einschneidendes Erlebnis. Können Sie uns kurz schildern wie sich dieser Tag anfühlte und welche ersten Gedanken Ihnen nach dem Unfall durch den Kopf gingen?

Peter Lammer

Danke für die Frage. Ich habe keine Erinnerung an den Unfalltag selbst. Es ist ein schwarzes Loch. Erst als das Morphium abgesetzt wurde, traf mich die ganze Wucht der Situation. Mir wurde klar, dass massive Probleme auf mich zukommen würden. Meine Beine waren das offensichtlichste Problem, aber die größte Angst war die um meine Existenz und meine Zukunft. Als Koch brauche ich meine Hände frei und meine Beine intakt. Hilfsmittel wie ein Rollstuhl oder Krücken waren keine Lösung für mich. Ich war voller Verzweiflung, Ungewissheit und Furcht. Mein Leben, mein Beruf, meine Familie – alles schien in Gefahr zu sein.

ReIntra

Welche Diagnosen und Prognosen haben Sie damals von den Ärzten bekommen, besonders im Hinblick auf Ihre berufliche Zukunft als Koch?

Peter Lammer

Die ärztlichen Diagnosen nach dem Unfall waren niederschmetternd: eine Trümmerfraktur am rechten Schienbeinkopf, Frakturen an den Mittelfußknochen und am Sprunggelenk links sowie ein Bänderriss am Daumen. Die Prognosen waren brutal: Ich sollte nie wieder als Koch arbeiten können. Die AUVA bot mir Umschulungen an, sogar zum Berufsschullehrer. Doch für mich kam das nicht infrage. Ich lehnte alles ab, denn mein einziger Weg war die Rückkehr in meine Küche. Die Ärzte und Berater sahen das als unmöglich an, was für mich nur ein Ansporn war, genau das zu erreichen.

ReIntra

Dann kam ReIntra ins Spiel. Welche Rolle spielte das Rehamanagement von ReIntra für Sie?

Peter Lammer

Die Rolle von ReIntra und des Rehamanagements in meinem Heilungsprozess und dem Kampf um meine Zukunft war absolut entscheidend! Nachdem die gegnerische Versicherung zunächst nur ein sehr niedriges Schmerzensgeld von 8.000 Euro anbot, schüttelte mein damaliger Arzt nur den Kopf. Er schrieb daraufhin einen Brief an die Versicherung, woraufhin die Summe versechsfacht wurde. Er riet mir zudem dringend, alle weiteren Schritte nur noch mit einem Anwalt zu entscheiden. Gemeinsam mit meinem Anwalt entschieden wir uns für ReIntra, da eine regelmäßige, unabhängige Kontrolle für die gegnerische Versicherung strategisch klug erschien. Ich hatte Glück, auf den beratenden Arzt von ReIntra zu treffen. Er wurde zum wichtigsten Brückenbauer, als ich mich verloren und unverstanden fühlte. Obwohl er anfangs für mich nur ein „Soldat der gegnerischen Versicherung“ war, wendete er das Blatt. Seine fachliche Kompetenz war beeindruckend, da er meine komplexen Verletzungen verstand. Gleichzeitig zeigte er eine außergewöhnliche Menschlichkeit, die mir half, meine Ängste zu überwinden und eine Vertrauensbasis aufzubauen.

ReIntra

Können Sie uns konkrete Beispiele nennen, wie das Rehamanagement von ReIntra Sie in den verschiedenen Phasen Ihrer Genesung und Wiedereingliederung unterstützt hat? Zum Beispiel bei medizinischen Fragen, Behördengängen, psychologischer Unterstützung oder der Koordination von Therapien?

Peter Lammer

Nachdem ich ReIntra volles Vertrauen schenkte, wurden alle weiteren Behandlungen mit ihrem beratenden Arzt entschieden. Er war ein kompetenter Berater bei komplexen Fragen, zum Beispiel bei wichtigen Operationsentscheidungen. Auch bei den massiven Hautirritationen an meinen Beinen war er eine große Unterstützung. Er tauschte sich mit Fachleuten aus und war auch menschlich für mich da. Die Begleitung durch ReIntra war ganzheitlich und umfasste medizinische, psychologische sowie organisatorische Aspekte. Der Arzt von ReIntra war für mich ein Navigator, der mir in schwierigen Momenten Sicherheit gab.

ReIntra

Welche Bedeutung hatte die ganzheitliche Betreuung durch ReIntra für Sie persönlich, um wieder Mut zu fassen und den Weg zurück ins Leben anzugehen?

Peter Lammer

Der erste Prototyp von Standing Ovation in meinem Restaurant war ein Wendepunkt: Meine Beine wurden entlastet, und ich war schmerzfrei. Das gab mir Mut und eine Perspektive für meine Zukunft als Koch. Mein beratender Arzt von ReIntra unterstützte mich aktiv bei dieser „vogelwilden“ Idee und sah sofort ihr Potenzial. Diese Art der ganzheitlichen Unterstützung, die über konventionelle Reha hinausging, war von unschätzbarem Wert. Sie nahm meine Träume ernst, half mir, eine Depression zu überwinden und gab mir die Kraft, wieder aufzustehen.

ReIntra

Was war aus Ihrer Sicht der größte Vorteil oder der wichtigste Beitrag, den das Rehamanagement von ReIntra auf Ihrem Weg geleistet hat?

Peter Lammer

ReIntra bot mir eine ganzheitliche Begleitung, die über das Medizinische hinausging. Sie gaben mir den Menschen an die Seite, der mich durch die tiefste Krise meines Lebens navigiert hat und mir zeigte, dass es einen Weg zurück gibt. Ohne ihn wäre dieser Weg unmöglich gewesen.

ReIntra

Trotz der ärztlichen Prognosen haben Sie nie aufgegeben, Ihren Beruf als Koch wieder auszuüben. Woher hast du die Motivation und den eisernen Willen genommen, gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen?

Peter Lammer

Für mich persönlich war klar: Nicht aufstehen, das hätte unweigerlich zum Suizid geführt. Ich musste kämpfen, nicht nur um wieder kochen zu können, sondern um überhaupt leben zu können – für mich, und vor allem für meine Kinder, die mir so viel Liebe schenkten. Jeder Stich, jedes Brennen erinnerte mich daran, welchen Preis es hat, wenn man sich aufgibt. Und so wurde jeder Schritt, jede Aufrichtung, ob noch im Bett oder später mit Standing Ovation, zu einem kleinen Sieg über diese Dunkelheit. Meine Motivation und mein eiserner Wille kamen aus dieser tiefen, existenziellen Notwendigkeit heraus. 

 

ReIntra

Ihre Erfindung, Standing Ovation, ist ja wirklich revolutionär. Wie entstand die Idee dazu und wie waren die ersten Schritte der Entwicklung?

Peter Lammer

Die Idee zu Standing Ovation entstand aus meinem persönlichen Schmerz und der Notwendigkeit, wieder als Koch arbeiten zu können. Da herkömmliche Hilfsmittel meine Hände blockierten, musste ich etwas Eigenes erfinden. Gemeinsam mit meinem Partner Bernhard Tichy entwickelten wir nach vielen Rückschlägen ein Schienensystem mit Laufkatze, das mein Gewicht aufnahm und mir die Hände freigab. Das fertige, patentierte und zertifizierte Medizinprodukt ist nicht nur eine Lösung für mich, sondern soll auch anderen Menschen mit ähnlichen Problemen Teilhabe und Lebensqualität zurückgeben.

ReIntra

Welche Hürden mussten Sie bei der Entwicklung und Umsetzung Ihrer Erfindung überwinden, und wer oder was hat Ihnen dabei geholfen?

Peter Lammer

Die Entwicklung von Standing Ovation war voller Hürden. Die größten waren nicht die technischen, sondern meine eigenen gesundheitlichen Probleme. Ein massiver Rückschlag war das Jahr 2016. Ich musste mich einer zwölfstündigen Operation unterziehen, bei der mein künstliches Sprunggelenk entfernt wurde. Zusätzlich infizierte ich mich mit dem Krankenhauskeim Staphylococcus aureus. Ich war am Ende meiner Kräfte. In dieser schweren Zeit war die Unterstützung meines Umfelds entscheidend. Mein Partner Bernhard gab die Entwicklung nie auf. Seine Frau Isabella, meine jetzige Frau Karin und auch ReIntra waren eine unersetzliche menschliche und fachliche Stütze.  Ihre Unterstützung war das Fundament, das es mir ermöglichte, die Hindernisse zu überwinden und Standing Ovation trotz allem zu verwirklichen.

ReIntra

Wie hat Standing Ovation Ihr tägliches Leben und Ihre Arbeit in der Küche verändert? Was bedeutet es für Sie, wieder am Herd stehen zu können?

Peter Lammer

Dank Standing Ovation kann ich wieder in meiner Küche arbeiten und habe meine Lebensfreude zurückgewonnen. Ich bin unabhängig von fremder Hilfe, bewege mich frei und kann meine Kreativität voll ausleben. Das ist unbezahlbar. Ein großer Vorteil ist, dass meine Beine nur noch schmerzen, wenn ich nicht im Gerät bin. Ich brauche keine Schmerzmittel mehr. Außerdem bin ich schneller als je zuvor, weil ich im Stehen sitze und so kräftesparend durch die Küche gleite. Standing Ovation hat mir nicht nur meinen Beruf zurückgegeben, sondern mein gesamtes Leben neu definiert. Es ist ein Symbol für Überwindung und zeigt, dass man niemals aufgeben sollte.

ReIntra

Ihr Beispiel inspiriert viele Menschen. Welche Botschaft möchten Sie anderen Betroffenen mit auf den Weg geben, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

Peter Lammer

Meine Botschaft ist: Gib niemals auf! Depression, Selbstmitleid und negatives Denken sind keine Lösung, sondern kosten nur wertvolle Kraft. Wir müssen stattdessen akzeptiere was unsere neue Realität ist und uns darauf konzentrieren, die verbleibenden Fähigkeiten des Körpers zu stärken. Das erfordert Disziplin, ist aber der einzige Weg zu einem selbstbestimmten Leben.

ReIntra

Neben Ihrem Restaurant wird Standing Ovation ja auch in Rehakliniken eingesetzt. Welche Vision haben Sie für die weitere Verbreitung Ihrer Erfindung und ihre Bedeutung für andere Menschen?

Peter Lammer

Meine Vision ist es, dass Standing Ovation so vielen Menschen wie möglich hilft. Obwohl wir die Erfindung mit geringen Mitteln entwickelten und keinen großen Konzern hinter uns haben, zeigt der Erfolg in Kliniken und Betrieben das große Potenzial. Der entscheidende Durchbruch ist, dass das Gerät nun zu 100 Prozent vom Staat gefördert wird. Ich hoffe, dass es zum Standard wird, um Menschen wieder in den Beruf zu bringen und gleichzeitig Schäden in stehenden Berufen zu verhindern.

ReIntra

Gibt es noch etwas, das Sie hinzufügen möchten oder das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Peter Lammer

Ja, ein wichtiger Aspekt von Standing Ovation ist sein volkswirtschaftlicher Nutzen. Meine Umschulung hätte die AUVA 150.000 Euro gekostet, das Gerät nur 20.000 Euro. Der entscheidende Punkt ist aber, dass ich durch Standing Ovation nicht nur in meinen Beruf zurückkehren konnte, sondern auch dem System als aktiver Beitragszahler erhalten blieb. Das beweist, dass Investitionen in individuelle Lösungen nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind.